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Auszug aus:
rudi zimmerman:
Philosophie lebender Systeme
Verlag Philosophie des dritten Jahrtausends
Die Evolution menschlicher Produkte
In der Evolution der Produkte (der Werke) des menschlichen Geistes gibt es die gleichen Selektionsmechanismen wie bei der genetischen Evolution.
Nehmen wir die Evolution der Idee "Auto".
Ein Mensch hat sich den Motor ausgedacht, ein wichtiges neues "Gen", das ausschlaggebend war, Autos konstruieren zu können. Bereits vorher waren eine Reihe von Erfindungen nötig (z.B. das Rad und die Straße), auch nach der Erfindung des Motors waren weitere Erfindungen nötig, um das Auto der Jetztzeit konstruieren und produzieren zu können.
Die Konstruktionsideen, die Erfindungen, waren das eine (nämlich der Genotyp). Das andere ist der Phänotyp des Autos, sein Aussehen. Das äußere richtet sich nach den Erfordernissen der Umwelt, nach bestimmten Vorgaben.
Zum Beispiel nach der Vorgabe, möglichst wenig Energie für den Gebrauch des Autos zu verbrauchen. Unter dieser Vorgabe wird der Motor weiterentwickelt, andere Energieträger werden ausprobiert. Letzten Endes entscheidet der Käufer, welches Auto sich weiterentwickeln kann und welches der Selektion zum Opfer fällt und nicht weiter produziert wird.
Das Auto muss sich natürlich bewähren. Nicht nur der Motor, auch die anderen Funktionssysteme (Bremsen usw.) müssen funktionieren. Aber: sie dürfen auch nicht ewig funktionieren. Die Lebensdauer des Autos muss begrenzt sein, sonst gibt es auch hier keine Evolution, keinen Fortschritt. Auch dieser Aspekt, der Sinn der Begrenzung der Lebensdauer, haben die Evolution der Tiere und die Entwicklung menschlicher Produkte gemeinsam. Und auch den Aspekt des äußeren Erscheinungsbildes. In der Natur schmücken sich die Individuen für die Partnersuche. Das Tier muss um den Sexualpartner werben, um seine Gene weiter konservieren zu können. Genauso ist es mit den Autos: das äußere Erscheinungsbild, das Design, entscheidet mit darüber, welche Autos verkauft werden und welche Modelle auslaufen. Werbung ist nicht nur im Tierreich wichtig, sondern ist auch ein entscheidender Faktor bei der Evolution menschlicher Produkte. Sie entscheidet mit darüber, welche Produkte sich weiterentwickeln können bzw. welche selektiert werden. Kurz gesagt: nach der Erfindung des Autos entsteht eine Autoindustrie, eine Vielfalt von Firmen und Modellen, die alle ihre Berechtigung und ihre Käufer haben. Es entsteht nicht das Einheitsauto, sondern ein Welt der Autos mit vielen Arten und Spezies. Und: einmal erfunden, entwickelt sich das Auto weiter. Man könnte fast meinen, der Mensch sei nunmehr nur noch ein Werkzeug des Autos mit der Aufgabe, die Evolution des Autos weiter aufrecht zu erhalten.
Das Auto ist ja aber nur ein Beispiel von vielen.
Ein weiteres und wichtigeres Beispiel ist die Evolution der Wissenschaften, zum Beispiel die Evolution der Physik oder die der Philosophie.
Die Evolution des Pflanzen- und Tierreichs setzt sich also fort in der Evolution der menschlichen geistigen (immateriellen) Konstruktionen und der menschlichen Produkte (als "Phänotyp").
Herzlichen Dank für Ihr Interesse
Rudi Zimmerman: Philosophie lebender Systeme. 172 Seiten. 15,- Euro
zu bestellen bei: rudi@philosophie3000.de |